Samstag, 14. Januar 2017

Livestreaming unter Wagenburgmentalität

Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) vertritt meine Interessen als Autor und treibt Lizenzgebühren ein, die an mich und viele tausende Autoren dann ausgezahlt werden. Von daher gehe ich durchaus dacore mit dem Schutz von geistigem Eigentum und entsprechender Honorierung.
Aber die Wagenburgmentalität bei Livestreams geht gar nicht. Gerade von den öffentlich-rechtlichen Sendern. Zumal Livestreaming von Sport- oder anderen Veranstaltungen etwas ganz anderes sind als geistiges Eigentum.
Da wird etwa eine Sportsendung im Internet live gestreamt und dieser auf Deutschland beschränkt. Oder es wird zumindest versucht. Das führt zu so lächerlichen Situationen, dass das Programm der ARD auf meinem SmartPhone nicht angezeigt wird, solange ich die Geolocation deaktiviert habe. Wird diese Spionagefunktion angeschaltet, kann ich den Stream empfangen. Wobei ich in beiden Fällen über meinen Router online gegangen bin. Das bedeutet zumindest schon einmal, dass Personen, die auch nach diesem kranken Rechtemodell zum Empfang berechtigt sind (ich habe ja meine GEZ bezahlt), zustehende Leistungen vorenthalten werden.
Aber unabhängig von diesen vollkommen lächerlichen technischen Schickanen halte ich eine geografische Einschränkung in jeder Hinsicht für unhaltbar. Das Internet ist international und es darf überhaupt keine geografische Zensur geben. Lizenzmodelle, die so etwas fordern, sind aus meiner Sicht illegal und zu vernichten. Entweder man gibt im Internet Informationen offen raus oder nicht. Beschränkungen, wer die Informationen erhalten darf und wer nicht, sind Denkweisen aus dem Mittelalter. Gerade im Internet. Ich muss da an den Witz denken, in dem ein Junge Ärger bekommt, weil er vom Block ins Schwimmbecken gepinkelt hat. Sein Argument - wäre nicht so schlimm - er hätte nur in die Bahn 3 gepinkelt. Man kann einfach im Internet keine geschlossenen Systeme aufgrund von einer geografische Wagenburg tolerieren.
Wobei das Thema hinsichtlich Livestreamings noch komplexer ist. Die aktuelle WM im Handball wird ja gar nicht im TV übertragen, weil ein Medien-Mafiosi aus Katar die Rechte "erworben" und Preise bzw. Bedingungen gefordert hat, bei denen die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ausgestiegen sind. Ist ja klar, denn das Geld muss  der Fussball-Mafia (oder FIFA - klingt ja gleich) gegeben werden, damit Fussball gezeigt werden kann - da bleibt kein Geld mehr für richtigen Sport ;-|.
Zumindest gibt es jedoch vom Sponsor der deutschen Handballer einen Livestream. Die Live-Übertragung des Auftaktspiels der deutschen Handballer ist jedoch nach wenigen Minuten ausgefallen. Allerdings nicht wegen Serverüberlastung oder sowas. Der Rechteinhaber unterbrach den Stream. Angeblich ein Fehler beim katarischen Rechtevergeber beIN sports. Ein Schelm, der vermutet, dass zu der Zeit Nachverhandlungen über höhrere Gebühren mit dem Sponsor gelaufen sind. Es ist einfach nicht zu tolerieren, dass mit Rechten zu Informationen (und sei es nur Sport oder sogar dieses elend unwichtige Fussball) dermaßen spekuliert wird und einzelne undurchsichtige Organisation diese erhalten. Wie bei Wistleblowern sehe ich Hacker, die diese Beschränkungen knacken bzw. aufheben, als die Helden unserer Zeit. Die Informationsbeschränker sind die Verbrecher.
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Onlinetraining mit Ralph Steyer

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