Mittwoch, 19. August 2015

Erste Erfahrungen mit Windows 10 im harten Praxiseinsatz

In einer VM hatte ich die Betaversionen von Windows 10 ja schon einige Zeit im Test und war da ganz angetan. Jetzt habe ich Windows 10 ein paar Tage auf meiner Workstation im harten praktischen Einsatz. Das bedeutet, die üblichen Standardvorgänge sollte ich alle mal durchgeführt haben (Programmieren von C/C++ bis Java, Videobearbeitung, Textverarbeitung, alles rund um Internet, ...) und auch alle relevanten Programme gestartet haben.
Es gibt aus meiner Sicht Licht und Schatten. Ich beginne mal mit dem Licht:
  • Es gab keine Probleme beim Upgrade. Weder beim OS selbst noch irgendeinem Programm oder irgendwelchen Daten. Auch alle Einstellungen sind erhalten geblieben. 
  • Das System funktioniert ganz einfach. Stabil und halbwegs fix. Bisher nur einen Absturz von einem Programm gehabt und da hab ich mein System ziemlich an die Grenze gebracht.
  • Durch die Classic Shell sieht der Desktop weiter wie der von Windows 7 aus. Die Usability ist weiter wie gehabt. Das elende Kachel-Design von Windows 8 ist nirgends im Weg.
  • Ein paar nette neue Features. Brauche eigentlich nichts davon, aber sicher nicht nett. Etwa die Linux-Kopie der verschiedenen Desktops. Da ich sowieso 3 Monitore habe, ist das bei mir  nicht notwendig. Aber ok. Genauso wie das automatische Docken und Größenfixieren von Fenstern an den Bildschirmrändern. Wirklich gut ist der Schnellzugriff, wobei ich den durch die Classic Shell etwas anders präsentiert bekomme. 
Was mir nicht gefällt:
  • Die neue Administration. Sie ist auf die Systemsteuerung (klassisch) und einen neuen Administrationsdialog verteilt. Die Classic Shell lässt die Systemsteuerung im Fokus, aber einige Einstellungen gehen im Grunde nur mit dem neuen Administrationsdialog. Und der ist m.E. richtig schlecht, weil ganz einfach gehalten. Es sollte hier erweiterte Möglichkeiten geben. Die allgemeine Tendenz von Microsoft den Anwender vor den Gefahren von falscher Administration über fehlende Updates bis zu gefährlichen Inhalten im Internet zu schützen, mag für Laien ok sein. Aber IT-Profis müssen diese Einschränkungen abstellen können. Ohne dass es gleich kompliziert bzw. unbequem wird.
  • Der Windows App Store. Ständig soll man was aus diesem Store installieren. Das will ich nicht. Ich suche mir mein Programm bei Quellen, die ich auswähle. Und das ist nicht der MS App Store. Den kann man nur mit Account verwenden und damit wir alles protokolliert. Geht gar nicht.
  • Überall wird von Apps geredet. Ich verwende Apps auf dem SmartPhone. Auf dem Computer laufen Programme. 
  • Ich wollte in der neuen Administration die Dateierweiterungen bestimmten Programmen zuordnen und bekomme da nur "Apps" angeboten, die Windows für sinnvoll erachtet. Wenn etwas in der Liste nicht dabei ist, soll man in den App Store gehen. Da gibt es nicht einmal ein Dateidialog, um sich ein Programm auf dem Rechner selbst zu suchen.  Natürlich geht das auch, aber umständlich (etwa Kontextmenü und dann öffnen mit und das für immer bestätigen). Wieder so ein Fall von Manipulation und für zu dumm verkaufen.
  • Wie immer - die Datenspionage muss abgestellt werden, damit man auf Dauer mit dem System arbeiten kann.
Allgemein gefällt mir eine Menge nicht an Windows 10, aber ich halte den Umstieg dennoch für sinnvoll. Denn man braucht schon ein aktuelles Betriebssystem und die Punkte, die mir persönlich nicht gefallen, müssen nicht jeden Anwender stören. Wichtiger - sie lassen sich beseitigen. Es braucht nur halt viel Zeit, zusätzlicher Programme (die nach und nach auftauchen werden) und Arbeit, um Windows 10 so hin zu bekommen, dass es meinen Anforderungen entspricht.
Letztendlich werde ich niemals sensible Dinge mit Windows 10 machen (etwa Onlinebanking), aber damit arbeiten kann man auf jeden Fall.

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Onlinetraining mit Ralph Steyer

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